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Die Leiden des jungen K.

1965 – 1982

GeschwisterIch wurde am 16. Juni 1965 in Berlin, der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik, geboren. Eine fröhliche Kinderkrippenzeit verbrachte ich dann in Großtreben bei Torgau, von wo aus meine Eltern und mit ihnen auch mein Lästerschwein, äh Schwesterlein und ich dann 1970 nach Biendorf (Bez. Halle / heute Sachsen – Anhalt) zogen. Bis zur Einschulung 1972 erlebte ich diese Zeit mit Spiel und Spaß in einem sozialistisch geführten Kindergarten, den ich sehr gern hatte.

Der erste große Einschnitt in meinem noch jungen Dasein war der Schulbeginn. Nun hieß es jeden Tag (damals wurde noch von Montag bis Sonnabend unterrichtet) mit dem Schulbus nach Crüchern fahren. Wenn ich so ins Erinnern komme …… mir hat die Schule Spaß gemacht !! Lernen fiel mir leicht, was solls, ich brauchte mich nicht allzusehr anstrengen. Nadelarbeit brauchte ich gottseidank nicht machen, das blieb den Weibern überlassen. Und im Schulgartenunterricht wurde mir bald nur noch der Spaten in die Hand gedrückt, denn meine geharkten Beete konnten dem Thüringer Wald Konkurrenz machen.

Den Nachmittag verbrachte ich, wie viele Kinder, von der 1. bis zur 4.Klasse im Hort. Hey, da war Remmi-Demmi angesagt. Wie oft haben wir die Leute geschockt, wenn was aus den Hortfenstern flog oder der Ruf ertönte: „Leute nehmt die Wäsche ab, es regnet blaue Tinte !“. Ja, schön war das. Schön und gut war auch das Schulessen. Das hat mich geprägt. Da wir nur knapp 200 Schüler waren (davon 36 in meiner Klasse), konnte das Essen immer mit Liebe zubereitet werden und es gab immer, naja jedenfalls fast immer Nachschlag. Nur den Reisbrei habe ich nicht über meine Lippen bekommen, igitt.

Eine weitere große Leidenschaft von mir sind Bücher. Ich habe so ziemlich alles verschlungen, was in der Dorfbücherei rumstand. Drei bis fünf Bücher in der Woche zu lesen war für mich eine Kleinigkeit. Es gab aber abends öfters mal einen Ordnungsbatsch, weil wenn Vater nachts um 11 Kontolle machte und die Nachttischlampe noch nachglühte oder gar nicht aus war. Seit jenen fernen Tagen bin ich unverbesserlicher Science-Fiction-Fan. Wenn ich da nur an Kröger, Frühauf, Tuschel, Steinmüller, Lem, Strugatzki, Snegow u.u.u. denke, da könnte ich mich doch schon wieder glatt in die nächste Ecke legen und weiterlesen.

Nun ja, es war eine unbeschwerte und glückliche Kindheit, doch der Ernst des Lebens sollte sich bald zeigen…

1982 – 1990

September 1982 kam dann nun der nächste große Einschnitt in mein Leben – die Lehre begann. Artern sollte nun für drei Jahre mein zweites Zuhause werden. Maschinen- und Anlagenmonteur mit Abitur … jaaa, dann mal los. Die Ausbildung erfolgte in der Zuckerfabrik und das Abiturzeug hatten wir in der Kyffhäuserhütte Artern. Wir waren ein ganz schöner Haufen, haben allerlei Unsinn gemacht. Trinkfest waren wir alle, bis zum Umfallen. Unsere Lieblingskneipen waren „Ratskeller“, „Mansfelder Hof“ und der Ausschank im Bahnhof, auch „Werk 3“ oder „Bof“ genannt. Vorbildlich waren wir damals bei den Blutspendeaktionen, wir fehlten bei keiner. Danach ging es allerdings immer, wie könnte es anders sein, zum Flüssigkeitsverlustausgleich in die nächste Destillerie. Ab und zu auch schon vorher, so daß wir anstatt Blut Kirschwhisky abgeliefert haben.
Spaßig waren auch die jährlich durchgeführten GST-Lager. Besonders im 3. Lehrjahr, wo wir nicht mehr mitmachen brauchten sondern nur Wache schoben. Da wir keine anderslautenden Weisungen hatten, mußten sogar unsere „Chefs“, die keinen Ausweis vorweisen konnten, sich einen anderen Weg in das Lager suchen als durch das Tor. Mit ein paar Flaschen Bier konnten sie natürlich ihren Eintritt „erkaufen“. Klappkartenträger mußten natürlich auch warten bis wir den Lagerchef geholt hatten, obwohl sie auf ihr Recht auf freien Eintritt pochten. Bei uns aber nicht !

Der Sommer 1985 wurde durch drei große Ereignisse geprägt: das Life-Aid-Konzert von Bob Geldof, der Abiball in Artern und meine Reise in den Westen. Ja, ich war schon vor dem Mauerfall im Westen ! Eine Woche Hamburg und Lübeck ! Das ich diese Reise erhielt, ist allerdings auch bis zum Schluß nicht sicher gewesen. Angefangen hat alles samit, daß ein Kumpel und ich September 1984 bei Jugendtourist nur mal so eine Reise in den Westen beantragt haben. Im Dezember 84 hatte ich drei Vorschläge von der FDJ-Kreisleitung: Zypern, Vietnam, Jugoslawien. Ging aber alles nicht, da ich zum Reisezeitpunkt Prüfungen hatte. Also – neue Reisen anfordern. Dann war Ruhe….. Mai 84 habe ich noch mal nachgefragt bei Jugendtourist. Die sagten mir, die FDJ-Bezirksleitung macht das. Ich – dort angerufen. Antwort: das macht die Bezirksleitung von Jugendtourist. Die sagten wieder: nee, wir nicht, das macht die FDJ. Bis mir der Geduldsfaden riß und ich mit dem Zentralrat der FDJ drohte, wenn sich nicht bald was rührt. Eine Woche später hatte ich das Angebot nach Hamburg. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt. So kam ich zu meiner ersten Westreise und einer Stasi-Akte.

StudiumVon September 1985 bis Februar 1990 habe ich an der Humboldt-Universität zu Berlin Lebensmittelingenieurwesen studiert, genauer gesagt Technologie der Zucker- und Stärkeindustrie. (Nach der Wende ist dieses Studium in den Lehrplan der TU Berlin eingegliedert worden.)
4 1/2 Jahre, geprägt von viel Fleiß und Arbeit, ständiges Lernen und Streben nach höherem Wissen (… au weia, hoffentlich liest das keiner, der das wirkliche Studentenleben kennt ). Ja, diese Zeiten gab es auch, aber nicht zu vergessen die Feten im Studentenklub und auf den Buden, die Discos und den Männertag, die Rote Woche und den Studentensommer und die Apfelernte im Berliner Umland. 300 Mark verdient, 400 Mark versoffen. Muß auch mal sein.
Zum Schluß des Studiums hat mich nur eins geärgert, wir haben so lange M/L gehabt und dann nicht mal eine Benotung auf dem Abschlußzeugnis, nur weil der politische Wind jetzt aus dem Westen kam.

1990 – in die Gegenwart

AbrissMärz 1990: Ich fing als Betriebsingenieur in der Zuckerfabrik Elsnigk an zu arbeiten. Diese wurde nach der Wende von Pfeifer & Langen, Köln übernommen und modernisiert. Zur selben Zeit wurden andere Zuckerfabriken in der Gegend dicht gemacht und mit einem Neubau eines großen Werkes bei Könnern begonnen. Nachdem Könnern eingeweiht wurde, kam das Aus für die Elsnigker Fabrik zum 1. April 1993. Der Aufschwung Ost hatte ein weiteres Opfer gefordert. Es war verdammt schwer mitanzusehen, wie die Fabrik Stück für Stück dem Erdboden gleichgemacht wurde. Einzig das Haus, in dem ich nach der Wende wohnte und die ehemalige Turbinenhalle des Kraftwerkes stehen noch.

Seit dieser Zeit bin ich dabei, mich auf dem Arbeitsmarkt neu zu orientieren.
Fortbildungen konnte man absolvieren, aber Arbeit gab es nicht. Zwischenzeitlich war ich befristet Mitarbeiter der Kreisvolkshochschule Köthen, wo ich in der Geschichtswerkstatt mitarbeitete. Die Themen die wir bearbeiteten, wie „Wende in Köthen“ und „Nationalsozialismus und Kriegsende in Köthen“ sind interessant und wichtig, aber nach zwei Jahren lief die ABM-Stelle aus und in diesem Staat gibt es nun mal kein Geld für gesellschaftlich notwendige Arbeit.

Dennoch bin ich so optimistisch zu sagen, daß ich irgendwann wieder Arbeit haben werde. Vielleicht nicht mehr in der Zuckerindustrie…so ist das nun mal.

Aber eins muß ich sagen, die Wende hat auch Gutes gebracht: Star Trek, Star Trek,.Star Trek. Und Computer. Und Internet, wie man sieht. Und und und …

Nach vielen Irrungen und Wirrungen und dem kompletten Kennenlernen des „un“sozialen Hängemattensystems dieser planwirtschaftlichen Marktwirtschaft bin ich nun nach etlichen Jahren ALG1, ALG2 und Hartz4 im technischen Support für Computernutzer tätig.

Schauen wir mal, was das Leben so bringt….

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